Die Kunst loszulassen:
Willms Buhse im Trendtag Videointerview
04. Juni 2010 | « Zurück | Vor »
„Kommunikation ist fester Bestandteil von Unternehmen.“ Lange Zeit verstand man unter diesem Satz vor allem: Kommunikation nach außen; also PR und Werbung.
Die Möglichkeiten der digitalen Technologien verändern jedoch zunehmend dieses Verständnis von Unternehmenskommunikation. Immer öfter ist der Kommunikationsfluss innerhalb eines Unternehmens gemeint. Viele dieser neuen Technologien werden zunächst im privaten Umfeld kennengelernt (z.B. Twitter oder Facebook). Erst später sind sie auch Bestandteil des Arbeitslebens.
Dr. Willms Buhse ist davon überzeugt, dass der Einsatz von Web 2.0 Ansätzen im Arbeitsumfeld immer noch ein sehr hohes Potential birgt. Er kennt die Vorzüge neuer Webtechnologien wie z.B. Micro-Bloggingdienste aus eigener Erfahrung. Für ihn steht die Zielsetzung fest: „Es muss mir gelingen ein Unternehmen zu bauen, was auf der einen Seite in Hierarchien arbeitet, parallel aber im Netzwerk denkt.” In der Wissensgesellschaft basiert ein solches Netzwerk vor allem auf den Prinzipien von Freiwilligkeit und persönlichem Engagement. Um Mitarbeiter zu motivieren, müssen dafür aber neue Rahmenbedingungen in den Unternehmen geschaffen werden, so Buhse. Erst dann wäre Kommunikation ein fester Bestandteil in Unternehmen.
Dr. Willms Buhse ist Gründer des Beratungsunternehmens doubleYUU und war zuvor in der Geschäftsleitung von CoreMedia. Dort hat er maßgeblich den Wandel zum Unternehmen 2.0 vorangetrieben. Buhse ist Mitherausgeber des Buches Enterprise 2.0: Die Kunst loszulassen und Initiator von DNAdigital.

Ich stimme mit Buhse in vielen Punkten überein. Vor allen Dingen beim Kontrollverlust, der viele alte Managementmethoden obsolet macht. Aber Wikipedia sollte man nicht idealisieren. Siehe auch:
http://ne-na.de/die-verlorene-unschuld-der-graswurzel-enzyklop-disten-wikipedia-versch-rft-artikel-kontrollen-oligarchie-system-statt-soziales-netzwerk/0086
Dazu hat der Soziologe Christian Stegbauer eine interessante Untersuchung veröffentlicht: “Wikipedia – Das Rätsel der Kooperation”. Von einem freien Zugang könne bei Wikipedia keine Rede mehr sein. Schon jetzt habe eine kleine Gruppe besonders motivierter und leistungsstarker Mitarbeiter die Führung übernommen. Sie trägt nicht nur die Hauptlast der Lexikoneinträge, sondern bestimmt auch den Kurs des Lexikons – mit der Tendenz, sich nach unten und gegenüber Neuankömmlingen abzuschließen. Wer in die Zirkel eindringen wolle, habe mit Widerstand zu rechnen. „Von der ‚Goldgrube für freies Wissen’ bleiben die Probleme mit ‚schwierigen Personen’, die dem Projekt nur schaden und daher auch nicht mehr willkommen sind. Dies widerspricht der deklarierten Freiheitsideologie von Wikipedia ‚jeder kann teilnehmen”, so Stegbauer.
Statt „ermündende Diskussionen” mit kritischen Geistern zu führen, entscheide wohl eine Oligarchie-Clique, was reinkommen dürfe oder nicht. Aus einem offenen Netzwerk werde eine Zwei-Klassen-Gesellschaft.
Da stimme ich Ihnen zu – insbes. für den deutschen Teil der Wikipedia.
Für Unternehmen bedeutet dies, genau hinzusehen, wer die Führung und das Setzen von Rahmenbedingungen übernimmt und dort auch bei Bedarf nachzubessern.
Sowohl bei Wikipedia als auch in Unternehmen kommt dem Thema “Macht” trotz Ansätzen der Selbstorganisation hohe Bedeutung zu.