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	<title>Save the date: 16. Deutscher Trendtag - 14. März 2012 im GDI, Gottlieb Duttweiler Institut, Zürich. Thema: &#34;Beziehungskonsum und Liebe&#34; &#187; Speaker</title>
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		<title>Prof. Peter WippermannFlow.Control.</title>
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		<pubDate>Tue, 09 Nov 2010 11:45:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>smosebach</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autorenbeiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Wippermann]]></category>
		<category><![CDATA[Speaker]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Flow.Control.<br />
Food-Workshop<br />
Ein Vortrag von Prof. Peter Wippermann für TNS Infratest und Markenartikel (Markenverband)</p>
<p></p>
<p><a title="Prof. Peter Wippermann Flow.Control Food Workshop" href="http://issuu.com/peterwippermann/docs/3207_t_foodworkshop_pw_low" target="_blank">PDF anschauen</a> &#8211; <a href="http://peterwippermann.com/system/assets/assets/36/original.pdf?1288886445">Download: Flow.Control.</a></p>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Flow.Control.<br />
Food-Workshop<br />
Ein Vortrag von Prof. Peter Wippermann für TNS Infratest und Markenartikel (Markenverband)</p>
<p><img src="http://www.trendtag.de/wp-content/uploads/wippermann_flow_control_food_workshop.jpg" alt="" /></p>
<p><a title="Prof. Peter Wippermann Flow.Control Food Workshop" href="http://issuu.com/peterwippermann/docs/3207_t_foodworkshop_pw_low" target="_blank">PDF anschauen</a> &#8211; <a href="http://peterwippermann.com/system/assets/assets/36/original.pdf?1288886445">Download: Flow.Control.</a></p>
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		<title>Prof. Norbert BolzBürger und Mini-Celebrity. Über die Aufgabe der Privatheit in der Internet-Gesellschaft</title>
		<link>http://www.trendtag.de/blog/norbert-bolz-buerger-und-mini-celebrity/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 10:40:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>smosebach</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Autorenbeiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Speaker]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn Allwissendheit ein Merkmal Gottes ist, dann kann man Google göttlich nennen. Es fasziniert und erschreckt zugleich. Je mehr Menschen Google nutzen, desto größer wird die Angst vor seiner Allmacht. Die Macht liegt nämlich dort, wo die Standards der Informationsverarbeitung fixiert werden. Herrschaft basiert auf Informationsbeherrschung. Denn heute ist alles Information: das Leben, das Geld, <a href="http://www.trendtag.de/blog/norbert-bolz-buerger-und-mini-celebrity/">mehr&#160;...</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Allwissendheit ein Merkmal Gottes ist, dann kann man Google göttlich nennen. Es fasziniert und erschreckt zugleich. Je mehr Menschen Google nutzen, desto größer wird die Angst vor seiner Allmacht. Die Macht liegt nämlich dort, wo die Standards der Informationsverarbeitung fixiert werden. Herrschaft basiert auf Informationsbeherrschung. Denn heute ist alles Information: das Leben, das Geld, meine Identität. Google funktioniert wie ein gigantisches Bit-Kraftwerk, an das wir alle als verschlankte Nutzer angeschlossen sind. Heute genügt ein kleiner, mobiler Monitor mit Internetanschluss. Der PC wird allmählich museal. Ein Kultwort unserer Zeit lautet deshalb „Apps“. Gemeint sind die tausende von Applikationen, in denen sich Software in passgenaue Dienstleistungen verwandelt. Spätestens seit Apples iPhone leben wir in einer Kultur des allgegenwärtigen Computierens, im Zeitalter des digitalen Utilitarismus.</p>
<p>Je mehr Informationen wir haben, desto knapper werden wichtige Informationen – und desto wichtiger werden Informationen über Informationen. Das bieten Suchmaschinen. Im Angelsächsischen gibt es einen schönen Ausdruck für die Arbeit von Geheimdiensten: Intelligence Service. Heute erbringt Google als eine Art Geheimdienst des Alltags genau diese Dienstleistung der Intelligenz. Das wird sofort verständlich, wenn man sich klar macht, dass Intelligenz der Inbegriff von Suchtechniken ist. Und wenn der Suchraum groß genug ist, kann man Suchen nicht mehr von Kreativität unterscheiden. So lautet der natürliche Anspruch von Google: Alles für jeden jederzeit und überall. Alles und alle werden transparent, erreichbar und verfügbar.</p>
<p>Das Internet ist ein globaler Computer, und wir alle sind die „Clickworker“, die Mausklick-Arbeiter seines Programms, das sich evolutionär entwickelt. Jeder Mausklick ist ja eine kleine Transaktion und hinterlässt eine Datenspur. Das heißt aber, dass jeder, der Google nutzt, der Firma hilft, ihre Algorithmen zu verbessern. Wir arbeiten alle mit am Popularitätsalgorithmus von Google. Das macht man sich natürlich nur selten bewusst, und deshalb erscheint Google wie ein Orakel. Sein Algorithmus der Empfehlungen und Bewertungen wirkt wie ein wunderbarer Kurzschluss durch den Informationsdschungel. Niemand kennt diesen Algorithmus, aber was er leistet, ist klar: Suchmaschinen protokollieren unsere Aufmerksamkeit. Sie gehen davon aus, dass wichtig ist, was die wichtigen Anderen wichtig finden. Und dass die meisten wollen, was die meisten wollen. Dafür hat sich der Ausdruck „kollaborativer Filter“ durchgesetzt. Zu Deutsch: Meinesgleichen geschieht. Und weil ich das Urteil von meinesgleichen nutze, um mich im Dschungel der Informationen und Optionen zurecht zu finden, können Firmen wie Amazon ein Marketing der Vorlieben entwickeln. „Kunden, die A kauften, haben auch B und C gekauft.“</p>
<p>Zusammen mit dem so genannten Neuromarketing startet das Datensammeln der Suchmaschinen einen Zangenangriff auf den Konsumenten des 21. Jahrhunderts. An Konsumentendaten heranzukommen ist aber nicht nur die Bedingung der Leistungsfähigkeit von Suchmaschinen, sondern auch von sozialen Netzwerken. Suchmaschinen produzieren die Homogenität der Gleichgesinnten in Geschmacks-Clustern. Hinzu kommt die Selbstselektion der Gleichgesinnten in den „communities“, den virtuellen Gemeinschaften. Das 21. Jahrhunderts hat also nicht mehr das Problem des Massenkonformismus durch Massenmedien, sondern das Problem der Gleichgesinntheit in digitalen Echokammern.</p>
<p>Seit 1994 gibt es die so genannten Cookies, die auf dem Computer des Nutzers selbst Dateien erstellen, die sein Suchverhalten und den „Clickstream“ speichern. So entstehen Nutzerprofile, die von den Unternehmen für Werbung und Marketing ausgewertet werden können. Doch diese Profile werden uns nicht nur angetan; wir produzieren sie selbst mit jeder Selbstauskunft, mit jedem Mausklick. Und zum Verdruss der Datenschützer gibt es immer mehr Menschen – und keineswegs nur „unwissende“ Jugendliche! -, die ihre Daten gerne preisgeben. Das sollte aber nicht mehr überraschen. Es gibt ja auch Unzählige, die sich telefonisch oder in der Innenstadt den „Umfragen“ öffnen und bereitwillig über ihr Konsumverhalten oder ihre politische Meinung Auskunft geben.</p>
<p>Was steckt dahinter? Offensichtlich das, was der amerikanische Philosoph John Dewey einmal den Wunsch, wichtig zu sein, genannt hat. Das Profil ist die öffentliche Ausstellung der Identität. Wir opfern Privatheit für Aufmerksamkeit. Dieses zentrale soziale Phänomen ist natürlich so alt wie die Zivilisation. Aber unter Internetbedingungen hat es eine neue Qualität angenommen. Unaufhörlich arbeiten die vernetzten Computer der Welt als unsere Profiler. Mehr und mehr gewöhnen wir uns an den Alltag der permanenten Überwachung, der Screening und Monitoring heißt. So wandelt sich das bürgerliche Individuum in den ständig und infinitesimal Überwachten.</p>
<p>Sammeln, suchen, überwachen – das ist Googles Welt. Und ihr entspricht ein interessantes, neues Konzept von persönlicher Identität, das man auf eine einfache Formel bringen könnte: Ich bin meine Maus-Klicks. Identität ist heute eine Rechenaufgabe, und zwar geht es um eine Extremwertberechnung zwischen privat und öffentlich. Wo liegt das Optimum? Es geht um ein empfindliches dynamisches Fließgleichgewicht zwischen freier Information und Kontrolle. Und so wie der Einzelne seine Identität zwischen öffentlich und privat konstruieren muss, so findet die Firma ihren Profit zwischen Open Source und Eigentum.</p>
<p>Die Freiheit der Information hat ihre traditionellen Grenzen an der Privatsphäre des Individuums und der Sicherheit des Staates. Aber es gibt immer mehr Menschen, denen beides gleichgültig ist. Die Verhaltensweise, die man demgegenüber all jenen Bürgern anraten könnte, die noch auf ihre Privatsphäre wert legen, weil die Würde des Menschen von ihr abhängt, hat Walter Benjamin einmal Krypto-Emigration genannt. Damit hat er Brechts Ratschlag für Städtebewohner auf den Begriff gebracht: „Wer seine Unterschrift nicht gegeben hat, wer kein Bild hinterließ, wer nicht dabei war, wer nichts gesagt hat, wie soll der zu fassen sein! Verwisch die Spuren!“ Mach dich unklassifizierbar! Das könnte die Parole einer digitalen Zivilverteidigung sein.</p>
<p>Deshalb ist der Widerstand gegen Google Street View zutiefst bürgerlich. Es geht hier in erster Linie gar nicht um juristische Bedenken, sondern um den Angriff auf den „Geheimniszustand“, der für die bürgerliche Privatsphäre wesentlich ist. Der Bürger will selbst bestimmen, was von seiner Existenz öffentlich wird; vielleicht die Hausfassade, aber nicht der Garten; vielleicht die Ehefrau, aber nicht die Kinder. Deshalb baut man Zäune, pflanzt Hecken, und Gardinen stellen sicher, dass man durch die Fenster hinaus-, aber nicht hineinsehen kann. Nur ein kindischer anti-bürgerlicher Affekt kann das „spießig“ finden.</p>
<p>Was mit der Unterscheidung von privat und öffentlich auf dem Spiel steht, ist die Idee der bürgerlichen Freiheit. Privatheit ist bürgerlich; heute muss sie eigens erarbeitet werden. Privatheit ist eine Aufgabe. Und vielleicht wird man über die bürgerliche Identität im Zeitalter des Internet bald sagen können: Jeder bemerkenswerte Mensch arbeitet gegen sein eigenes Profil. Privatheit ist die Standardeinstellung, die der Bürger im Umgang mit den Medien bewusst wählen muss.</p>
<p>Das ist natürlich eine unzeitgemäße Strategie, denn in der Welt der Netzwerke sind privat / öffentlich und persönlich / geschäftlich keine plausiblen Unterscheidungen mehr. Die populären sozialen Netzwerke leben ja von der Privatisierung der Geselligkeit und der Veröffentlichung der Persönlichkeit. Jeder wird zur Mini-Celebrity. Damit bezeichnen wir den Gegenpol zum bürgerlichen Optimum der Identität. Und das entspricht durchaus dem Geist der Moderne. Denn Individualität zeigt sich heute darin, dass jeder selbst definieren darf, wo seine schützenswerte Privatsphäre beginnt. Privatheit 2.0 ist eigenrichtig.</p>
<p>So stehen sich Bürger und Mini-Celebrity, die traditionelle Idee der Privatheit und ein medientechnisch gepflegter Exhibitionismus gegenüber. Reputation ist für die Internetgemeinde ein Feedback-Profil. Der Datenschützer dagegen erscheint als hilfloser Repräsentant bürgerlicher Privatheit, der gegen die politische Erwartung absoluter Transparenz, die wirtschaftliche Suggestion eines maßgeschneiderten Service, und die technische Wirklichkeit von Überwachung und Vernetzung auf verlorenem Posten steht.</p>
<p>Der schwerste Angriff auf die Privatsphäre geht dabei übrigens nicht von Regierungen und Unternehmen aus, sondern von den sozialen Netzwerken. Alles, was man tut, kann heute aufgezeichnet und gesendet werden. Die so genannten Bürgerjournalisten und ihre Handy-Kameras lassen nichts mehr unprotokolliert. Die Paparazzi werden zum massendemokratischen Phänomen. Da ist es nur lebensklug, dass die wirklich Prominenten ihre Privatsphäre nicht mehr geheim zu halten versuchen, sondern persönlich kontrollieren wollen – man denke nur an Steffi Grafs Babybilder oder Wowereits Coming out.</p>
<p>Wir haben es hier aber nicht mit einem Kultur- sondern einem Strukturproblem zu tun. Unter Internetbedingungen bringt nämlich jedes Geschäft einen Verlust von Privatheit: Man muss sich „ausweisen“. Mit Identitäts-Software kann man das zwar kontrollieren, aber das bedeutet eben, dass nur Kontrolle vor Kontrolle, nur Software gegen Software schützt. Programmieren heißt steuern durch Kontrolle. Und Computersysteme sind Kontrolltechnologien, die aus der Distanz durch Information steuern. Information ist der Zugang zur Welt, und das Web 2.0 ist der Zugang zur Information. Aus Bürokratie wird Software. Sie kontrolliert unser Verhalten, indem sie Zugang und Einfluss steuert. In jeder Software stecken nämlich Werturteile, die den Alltag strukturieren.</p>
<p>Der Medienphilosoph Vilèm Flusser hat einmal gesagt, die Welt zerfalle in Programmierer und Programmierte. Das ist eine durchaus sinnvolle Übertreibung. Aber nicht nur die Programmierer sind die großen Einzelnen, die in der scheinbar so massendemokratischen Welt des Web 2.0 den Unterschied machen. Es gibt auch noch die „Superconnectors“, die die digitale Welt zusammenhalten. Gemeint sind die Meister der schwachen Bindungen in den sozialen Netzwerken, also Aktivisten, Freiwillige, Fans, Liebhaber, Amateure. Und es entspricht der Logik der Netzwerke, dass hier einige wenige den Unterschied machen. Diese Aktivisten machen den Begriff einer durchschnittlichen Beteiligung nämlich sinnlos. Statistisch gesprochen: Der Median der Internet-Nutzung liegt weit unter dem Durchschnitt. Es gibt also keinen repräsentativen Internet-Nutzer.</p>
<p>Doch die Wenigen, die z.B. an Wikipedia und YouTube aktiv teilnehmen, sind in absoluten Zahlen sehr viele. Ein Promille ist sehr viel im Cyberspace. Und weil sehr wenige im Internet sehr viele sein können, entsteht der Schein der massendemokratischen Kollaboration. Doch nicht die Massen beherrschen das Internet, sondern die Aktivisten. Das muss man im Augen behalten, wenn man verstehen will, wie sich heute das bürgerliche „Publikum“ zersetzt. Früher war die Veröffentlichung das Nadelöhr für den Autor, heute ist es die Aufmerksamkeit. Das Motto des Web 2.0 lautet: Erst Publizieren, dann Filtern. Deshalb werden die Gatekeeper, die eine Auswahl vor der Publikation treffen, zunehmend durch Navigatoren ersetzt, die eine Auswahl nach der Publikation ermöglichen. Diese rigorose Ausschaltung vermittelnder Zwischeninstanzen führt ganz zwingend zur Herrschaft der Suchmaschinen. Und dieser Plural ist fast schon ein Euphemismus. Google kontrolliert den Flow.</p>
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		<title>David Bosshart„Lassen wir einfach mal Hoffnung spielen.“</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Jul 2010 15:21:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>smosebach</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Speaker]]></category>

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		<description><![CDATA[Dr. David Bosshart, CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) für Wirtschaft und Gesellschaft, Rüschlikon/Zürich, spricht mit dem Deutschen Trendtag über „Flow Control“ und darüber, wie man mit „hybridem Denken“ Widersprüche zu erfolgreichen Geschäftsmodellen vereint. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Flow.Control. ist das Thema des 15. Deutschen Trendtags im September. Warum ist aus Ihrer Sicht dieses Thema so brisant? </strong></p>
<p>Das Prinzip „Flow“ ist interessant, weil es in verschiedenen Bereichen auftritt: bei den Kapitalmärkten ebenso wie im Bereich der Technologie. Beschleunigung ist ein permanentes Thema ebenso wie Liquidität und Cash. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage: „Wie können wir das überhaupt noch kontrollieren?“ Märkte sind heute zunehmend global, während der Gesetzesrahmen immer noch national ausgerichtet ist. Wir haben zwischen „Flow“ und „Control“ einen sehr großen Widerspruch. Und dieser Widerspruch wird vermutlich immer größer werden. Die Anzahl der Dinge, die wir nicht mehr beherrschen, nimmt dramatisch viel schneller zu als die der Dinge, die wir beherrschen. </p>
<p><strong>Es geht also nicht nur um den Daten-Flow. </strong></p>
<p>Technologie ist der „Flow“, der die ganze Entwicklung prägt. Technologie wird zu unserem Schicksal. Wie wir mit Technologie umgehen, entscheidet wesentlich über unseren Erfolg. Die Nutzung der Technologie bestimmt, wer und was wir sind. Wie ich Technologie nutze, ist heute viel relevanter, als welcher Ideologie ich anhänge. Ob ich ein Anhänger des nordkoreanischen totalitären Systems oder der Tea-Party und Sarah Palin bin – all das spielt eigentlich gar nicht so eine große Rolle im Vergleich zu der Frage, wie ich Technologie nutze.<br />
<strong><br />
Was bedeuten diese Entwicklungen für das unternehmerische Handeln? </strong></p>
<p>Die entscheidende Frage lautet: „Wie kann ich mit den verrücktesten Widersprüchen umgehen?“ Dazu gehört, was man heute – ich bin sicherlich nicht der Erste gewesen, der es so genannt hat – „hybrides Denken“ nennt. Es geht darum, das traditionell hoch spezialisierte, professionelle Denken und den disziplinierten Zugang zu einem Thema aufzubrechen, indem ich versuche, in Widersprüchen zu denken. Wir haben immer nur gelernt, das eine oder das andere, aber nicht auch das Dritte zu denken. </p>
<p><strong>Was heißt das konkret?</strong> </p>
<p>Man muss wegkommen von Unipolaritäten à la „Wir wissen sowieso, wie es richtig ist!“ oder von Bipolaritäten, in denen „entweder Schwarz oder Weiß“ gilt. Es geht darum, mit diesen Widersprüchlichkeiten spielen zu lernen und nicht mehr in Ausschließlichkeiten zu verharren. Dann kommt man automatisch zu eher modularen Modellen. Wir sehen die Dinge noch zu stark ideologisch. Jemand ist ein Kapitalist oder ein Sozialist. Jemand ist ein Guter oder ein Böser. Ist nun ein Chinese, der mich kopiert, ein Guter oder ein Böser? Er ist einfach anders. Und wir müssen lernen, damit umzugehen. </p>
<p><strong>Wie zeigt sich das Spiel mit Widersprüchlichkeiten in der konkreten Unternehmenspraxis? </strong></p>
<p>Wir sehen das zum Beispiel im Pricing im Prinzip „Freemium“ – Free and Premium. Etwas ist nicht mehr ausschließlich ein Premiumprodukt, sondern gekoppelt an ein Gratisprodukt. Google kann seine Produkte gratis abgeben, weil es mit Google-Ads im Premiumbereich so viel Geld verdient, sodass es immer mehr Dienstleistungen kostenlos anbieten kann. Just for fun. Alles, was hilft, mein Unternehmen weiterzubringen, hilft mir, Kontrolle zu erlangen. Dazu muss ich aber in diesem Fall immer mehr gratis abgeben. </p>
<p>Ein anderes Bespiel wäre – zurückblickend auf einen früheren Trendtag – die Erkenntnis, dass, je mehr wir in einer global vernetzten Welt leben, der Nachbar immer wichtiger wird. Hier werden die Aspekte „global“ und „local“ zum Prinzip „glocal“. Globaler Erfolg ist nur möglich, wenn auch das Lokale gefördert und ernst genommen wird.<br />
<strong><br />
Inwiefern ist auch der einzelne Konsument von solchen Widersprüchen betroffen? Wie können Unternehmen ihn unterstützen?</strong></p>
<p>Zum Beispiel beim Thema der Aufweichung von Arbeitszeit und Freizeit – Stichwort „Work-Life-Balance“. Ich nenne es nur mehr „work style“. Die Frage, wie ich mein Privatleben mit der Arbeitszeit in Einklang bringe, bestimmt mein Leben im Ganzen. Der richtige „work style“ bestimmt letztendlich meinen Lifestyle. Im Hotelbereich haben wir es nicht mehr traditionell entweder mit einem Geschäftskunden oder Freizeitkunden zu tun, sondern mit einem „Bleisure“-Kunden. Er verbringt einen Teil seiner Zeit im Hotel als Business-Mensch und gleichzeitig einen Teil als Leisure-Kunde. Dieser Kunde will einen Internetzugang; er will aber auch eine Körpermassage, Sport treiben und ein Fitnessfrühstück. Man muss also Kontrolle über zwei Bereiche haben, die früher klar getrennt und dadurch sehr viel einfacher zu steuern waren.</p>
<p><strong>Das Prinzip „Hybridität“ lässt sich also überall anwenden, wo Widersprüche auftreten. </strong></p>
<p>Genau. Sie haben auch „hybrides Kapital“ – Kapital, das weder Eigenkapital noch Schulden ist, sondern eine Mischform. Sie haben „hybride Geschäftsmodelle“, in denen es nicht um ein Produktmodell oder um ein Dienstleistungsmodell geht, sondern um eine Mischung aus beidem. Es gibt auch „hybride Automobile“, bei denen man verschiedene Antriebstechnologien kombiniert, und „hybride Software“, die auf verschiedenen Betriebssystemen läuft. Hybridität kommt in verschiedenen Bereichen immer mehr auf. </p>
<p><strong>Welche Fähigkeiten benötigen Unternehmenslenker für „hybrides Denken“?</strong></p>
<p>Unsere Methoden und Theorien sind sehr stark angstgetrieben und daher auf „Kontrolle“ aus. Es gilt, kritisch gegenüber allem zu sein. Ich glaube nicht, dass das die Zukunft ist. Wir müssen ausprobieren und experimentieren. Ich muss bereit sein, dem anderen einen Vertrauensvorschuss zu geben, obwohl ich ihn in seiner Kultur noch nicht wirklich verstehe. Es geht also auch darum, nicht zu früh ein definitives Urteil abzugeben. Das macht uns am meisten Mühe, denn wir sind sehr stark geprägt von bestimmten Vorstellungen von Macht und Beurteilung. Lassen wir also einfach mal Hoffnung spielen, nicht die definitive Einschätzung. </p>
<p><strong>Mehr Gelassenheit ist demnach angesagt.</strong> </p>
<p>Man muss aufhören zu glauben, irgendwann habe man etwas verstanden, irgendwann habe man es wieder im Griff. Flow.Control. besteht nach meinem Verständnis gerade darin, immer mehr Dinge zu lassen, die man eben nicht mehr beherrscht. Und der einzige Weg, Kontrolle zu behalten, liegt im klugen Experiment mit dem Unbeherrschbaren.</p>
<p><strong>Wie kann man den Risiken beim Umgang mit dem Unbeherrschbaren entgehen?</strong></p>
<p>Schöne Modelle wie &#8220;freemium&#8221; und &#8220;glocal&#8221; bedeuten immer auch, dass ich teilen muss. Das ist das Verrückte: Ich muss immer mehr weg geben. Ich muss flexibel sein in allem, was meine Anpassungsfähigkeit stärkt. Gleichzeitig muss ich mich fragen: Was ist meine Substanz? Wenn man überleben will, braucht man seine eigenen Prinzipien, die man nicht preisgeben darf. Jede starke Marke hat irgendwas, das sie nicht aufgeben darf. Wenn Apple plötzlich sagen würde: „Hmmm, Design ist uns jetzt nicht mehr so wichtig“ – dann würden sie den Kern ihrer Stärke preisgeben und vergleichbar werden. </p>
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		<title>Dr. Eckart von Hirschhausen„Es braucht den Mut, das Scheitern als Teil des Prozesses zu umarmen.“</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Jul 2010 08:18:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mschneider</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Autorenbeiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Speaker]]></category>

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		<description><![CDATA[Eckart von Hirschhausen, studierter Mediziner und erfolgreicher Kabarettist, erzählt im Interview mit dem Deutschen Trendtag von Motorradfahrern, Bergsteigern und Pinguinen – und davon, wie wichtig das richtige Element für den Flow ist. 
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Thema des 15. Deutschen Trendtags ist „Flow Control“. Ihr eigenes Buch über das Glück ist ein Bestseller. Ist Glück mit Flow gleichzusetzen? </strong></p>
<p>Die Kernidee von meinem Buch „Glück kommt selten allein“ lautet: Glück ist nicht ein Gefühl, sondern fünf verschiedene. Flow ist gleichzusetzen mit einer Glücksart, dem erfüllten Tun. Flow hat aber wenig mit dem Glück der gelassenen Entspannung oder dem Glück der Gemeinschaft zu tun. Das klassische Beispiel für Flow sind die Bergsteiger, die an der Wand ganz in ihrem Element sind und so konzentriert im Hier und Jetzt, dass sie Zeit und Raum und Steuererklärung vergessen. In diesen Momenten sind die Menschen aber nicht subjektiv glücklich, sie sind viel zu fokussiert, um sich überhaupt diese Frage zu stellen. Das Glück kommt erst im Nachhinein. <strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Kann man Glück managen? Kann man den Flow steuern? Wenn ja, wie?</strong></p>
<p>Klar! Je besser man sich und seine Stärken kennt, desto mehr kann man seine Aufgaben und Herausforderungen daran anpassen – in einer idealen Welt. Das ist bei selbsttätiger, kreativer Arbeit natürlich leichter als in einer fremdbestimmten Situation. Zentral ist das Gefühl der Selbstwirksamkeit und Kontrolle der Randbedingungen und Rückmeldung. Ein Beispiel: Motorradfahrer berichten oft von Flow-Erlebnissen. Kein Wunder: Der Motorradfahrer hat mit seinem Lenker alles im Griff. Bei gerader Strecke kann er beschleunigen, bei Kurven verlangsamen. Und er bekommt sehr schnell Rückmeldung, wie gut er das macht. Und wenn er es nicht so gut macht, hat der Neurochirurg an dem Tag noch ein Flow-Erlebnis, dann ist der konzentriert bei der Sache. Von außen betrachtet erleben ein Motorradfahrer und sein Sozius auf dem Beifahrersitz die gleiche Landschaft. Aber in den Köpfen existieren im wahrsten Sinne zwei parallele Wirklichkeiten. Der Lenker ist im Flow, der Beifahrer in Angst. Er hat keine Steuerung, ist abhängig von dem Geschick eines anderen. Das ist so grob der Unterschied zwischen Freiberufler und Angestelltem.</p>
<p><strong>Sie vergleichen Ihren eigenen Wechsel vom Mediziner zum Kabarettisten als Sprung ins richtige Element – ähnlich wie ein <a href="http://www.hirschhausen.com/glueck/pinguingeschichte.php">Pinguin</a>, der sich im Wasser ungleich wohler zu fühlen scheint als an Land. Wenn Sie zurückblicken: Was war schwierig für Sie? Was hindert viele Pinguine/Menschen daran, ins Wasser/in ihr Element zu springen?</strong></p>
<p>Dabei geholfen hat mir, dass ich nicht wegwollte von etwas, sondern hin zu etwas. Ich habe mich schon jahrelang parallel zu meinem Studium für Kabarett interessiert und als Conférencier und Zauberkünstler die ersten Schritte auf die Bühne gemacht. Der Erfolg kam, als ich kapierte, dass ich mein medizinisches Wissen und die Erfahrungen als Komiker zu etwas kombinieren kann, was es bis dahin noch nicht gab: medizinisches Kabarett als Show, als Buch, als TV-Format. <strong> </strong></p>
<p>Was hilft, sind Orte, an denen man sich ausprobieren kann, ohne dass gleich die ganze Existenz auf dem Spiel steht. Für mich waren das kleine Bühnen in Berlin, wo ich durch Versuch und Irrtum besser werden konnte. Es braucht Mut, sich auszuprobieren, und Mut, das Scheitern als Teil des Prozesses zu umarmen. Wenn wir erst als Erwachsene das Laufen lernen würden, wären wir umgeben von Menschen, die krabbeln und meckern würden: „Ich hab das mit dem aufrechten Gang echt probiert, muss aber nach den drei Versuchen einfach mal dazu stehen: Stehen ist nicht mein Ding.“<strong> </strong></p>
<p><strong>Sie sind aber auch Trainer für Manager und Entscheider. Was lernen Ihre Schüler über das Glücklichsein im Beruf?</strong></p>
<p>Eine Zufriedenheit mit sich und seiner Arbeit gelingt, wenn ich einen übergeordneten Sinn in meinem Tun erkenne. Ich weiß, warum ich mich einsetze, ich habe ein Ziel, ich erschaffe etwas, was über mich hinausweist und über mich hinaus existiert. Ich erlebe meinen Beruf als ein Stück Berufung. In vielem kann man statt das Wort „Glück“ das Wort „Sinn“ einsetzen, und es stimmt immer noch. Victor Frankl hat auf diese Dimension sehr deutlich hingewiesen. Die fehlt vielen Führungskräften, sie spielen eine Rolle, weil sie meinen, sie müssten so sein, und entfernen sich von ihrer eigenen Vielschichtigkeit und „diversity“. <strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Und was können Manager für das Flow-Erlebnis ihrer Mitarbeiter tun?</strong></p>
<p>Viel ist schon erreicht, wenn man Menschen nicht demotiviert! Es braucht Transparenz der Entscheidungen und der Beförderung und die vier Ebenen der Wertschätzung: Geld, Anerkennung, Sicherheit und Aufstiegsmöglichkeit. Zentral ist die Art, wie schnell Rückmeldung erfolgt und wie persönlich und konkret. Beim schlechten Delegieren hat der Chef eine Vorstellung, wie etwas gemacht werden soll, er verrät sie aber erst hinterher, wenn es anders gelaufen ist. Flow kann nicht unter Angst und fremder Kontrolle entstehen, sondern dann, wenn in einem Erwartungskorridor der Mitarbeiter selbstbestimmt agieren kann und nicht zappeln gelassen wird: Werde ich geliebt oder nicht? Denn das wollen wir alle.<strong> </strong></p>
<p><strong>Die letzten 60 Jahre waren von grundlegenden Umwälzungen im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Bereich geprägt. Wie haben sich unsere Vorstellungen vom Glück in den vergangenen Jahrzehnten verändert? </strong></p>
<p>Haben sie das? Vieles von dem, was glücklich macht, steht schon bei Jesus und Aristoteles. Was sich verändert hat, ist der Vergleich. Früher reichte es, der oder die Schönste im Dorf zu sein. Heute wollen alle aussehen wie internationale Topmodels und Schauspieler. Weil wir durch die Medien ständig völlig „unrepräsentative“ Modelle des scheinbar glücklichen Lebens angeboten bekommen, ist es schwieriger geworden, sein eigenes Modell und sein Element dagegenzusetzen. Beispiel sexuelle Befreiung: Es ist sehr viel leichter, der Gesellschaft, der Kirche und der öffentlichen Moral die Schuld zu geben, wenn man keine erfüllte Sexualität hat, als wenn alles mit allen erlaubt ist, aber keiner dich will. Die Multioptionsgesellschaft überfordert und überfährt viele.<strong> </strong></p>
<p><strong>Die Überforderung durch die Allgegenwart der Medien ist seit einiger Zeit Thema im Feuilleton. Wie sehen Sie als Mediziner den Einfluss der heutigen Medien auf die Art, wie unser Gehirn arbeitet? </strong></p>
<p>Im Internet wird räumliche durch inhaltliche Nähe ersetzt. Ich kann mich weltweit mit Gleichgesinnten vernetzen und austauschen. Aber wenn der Strom ausfällt und ich mit einem Hexenschuss im Bett liege, nutzen mir 500 Freunde bei Facebook einen Dreck. Der „digital divide“ spaltet die Gesellschaft weiter. Die Dummen werden nicht klüger, aber die sozialen und agilen werden durch die neuen Medien zum Glück auch nicht einsamer, im Gegenteil. Ein ernsthaftes Problem ist die Aufmerksamkeitsökonomie. Wie lange widme ich mich konzentriert einem Thema, einer komplexen Aufgabe? Große gedankliche Leistungen erfordern ein Maß an Komplexität, das keine ständige Unterbrechung von SMS, E-Mail und Blackberry erträgt. Moses ging noch auf den Berg, um besseren Empfang zu haben. Heute geht man in die Berge, damit man da keinen hat.</p>
<p>Das Interview führte Maria Angerer</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Prof. Manuel Castells„Vernetzte Individuen sind die einzige Quelle sozialen Wandels.“</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Jun 2010 06:20:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mschneider</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autorenbeiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Speaker]]></category>

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		<description><![CDATA[Manuel Castells, Professor an der University of Southern California (USC), Los Angeles, und der Open University of Catalonia in Barcelona, erklärt im Interview mit dem Deutschen Trendtag die fundamentalen Veränderungen, die das vernetzte Individuum für politische Prozesse bedeutet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Vernetzte Individuen sind die einzige Quelle sozialen Wandels.“</strong></p>
<p><strong>Sie definieren die Kommunikation als das maßgebliche Feld im Kampf um die Macht. Während dieses Feld durch die digitalen Medien entscheidend verändert wurde, kämpft die Politik mit massiven Vertrauensverlusten. Wie kann die Politik dieses Vertrauen und ihre Legitimität wiederherstellen?</strong></p>
<p>Das Wichtigste für Politiker ist, ihren Bürgern und der Demokratie zu vertrauen. Daher ist es so wesentlich, die Offenheit des Internets weiterhin zu sichern. So kann die Idee einer „deliberativen Demokratie“ [Anmerkung: Demokratie auf der Basis der politischen Diskussion unter aktiver Mitwirkung aller Bürger; <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deliberative_Demokratie">vgl. Wikipedia</a>] auf der Basis der breiten Masse gelebt werden. Eine Voraussetzung dafür ist ganz einfach die Einsicht, zu verstehen, dass sich die Politik nicht mehr hinter den Mauern der Bürokratie und traditioneller Massenmedien verstecken kann. Politiker müssen bereit sein, rauszugehen, offen und direkt Engagement zu zeigen, Bürger zu eigenem Engagement zu motivieren – sodass die Bürger letztendlich entscheiden können.</p>
<p><strong>Was finden Sie an Obamas Kampagne besonders hervorhebenswert? Was davon wird bald politischer Mainstream sein?</strong></p>
<p>[Besonders hervorhebenswert ist] das Vertrauen in selbst organisierte „grassroots“-Bewegungen im Internet und in die örtlichen Organisationen, die Verantwortung für die Kampagne übernommen haben, ohne dass eine Kontrolle von oben stattgefunden hat. Das Internet wird zum essenziellen Werkzeug. Social-Networking-Sites sind die neue Öffentlichkeit. Politiker und Parteien müssen hier präsent sein. Aber die meisten sind noch nicht bereit dazu – nicht im technischen Sinn, vielmehr in einem kulturellen und politischen Sinn.</p>
<p><strong>Welche politischen Prozesse werden in 20 oder 30 Jahren fundamental anders sein als heute?</strong></p>
<p>Ich spreche niemals, niemals über die Zukunft. Aber was wir heute schon sehen, ist der Niedergang der politischen Parteien in Hinblick auf ihre Fähigkeit, politische Prozesse effektiv zu steuern.</p>
<p><strong>Die neuen Medien haben es erleichtert, sogenannte Gegenbewegungen zu organisieren. Sie erwähnen die Bewegung gegen den Klimawandel als erfolgreiches Beispiel. Was sind die kritischen Voraussetzungen, damit eine solche Bewegung erfolgreich wird? Reicht es, einzelne Menschen zu vernetzen, um Veränderungen herbeizuführen?</strong></p>
<p>In einer vernetzten Welt ist die Vernetzung einzelner Menschen der EINZIGE Weg für sozialen Wandel. Sobald eine Organisation festgelegt ist, verliert sie an Attraktivität. Sie wird zu einer weiteren institutionalisierten Form von Handlung. Natürlich ist das in einer Demokratie auch notwendig. Aber ein Treiber sozialer Veränderung in der politischen Arena werden Organisationen nur, wenn sie es schaffen, ständig neue Werte und Projekte zu integrieren. Werte und Projekte, die aus freien, offenen Netzwerken freier, selbstbestimmter Bürger bestehen und sich mit der Gesellschaft und deren Werten weiterentwickeln.</p>
<p><strong>Wie verhalten sich Online-Gegenbewegungen und solche im realen Raum zueinander?</strong></p>
<p>Sie brauchen sich gegenseitig. Sie können in der sozialen Praxis nicht ohne einander auskommen. Aber sie haben ihren Ursprung im virtuellen Raum, weil der erste Aufruf zum Handeln meist einer spontanen Initiative entspringt, die sich am einfachsten im Internet organisieren lässt. Aber der Appell muss im realen Raum aufgenommen werden und in Face-to-Face-Begegnungen umgewandelt werden, in denen man sich dann gegenseitig zustimmen oder auch streiten kann.</p>
<p><strong>Die Wirtschaftskrise zwingt Nationalstaaten zu massiven Sparprogrammen. Öffentliche Proteste sind die Folge. Welche anderen Reaktionen oder Gegenbewegungen sehen Sie?</strong></p>
<p>Wirtschaftskrisen lösen in der Regel Panik aus, und Panik wiederum löst gern sehr hässliche Reaktionen wie Rassismus und Xenophobie aus. Die meisten Protestbewegungen imitieren traditionelle Protestbewegungen, allen voran die Gewerkschaften, die eigentlich „Capitalism as usual“ wollen. Sie sind zwar Akteure des Widerstands, und das ist wichtig, aber sie sind keine Akteure des Wandels. Die Menschen können nicht länger durch Arbeit und Konsum leben. Sie müssen daher nach alternativen Lebensformen suchen. Das ist die wichtigste Konsequenz. Und hier könnten sie sich ein Beispiel an Tausenden Menschen nehmen – sowohl älteren als auch jüngeren –, die andere Lebensstile praktizieren und sich auf das konzentrieren, was ihnen Spaß macht und was sie sein wollen: Sie engagieren sich im „urban farming“, alternativen Währungen oder Kunst; sie organisieren sich in Genossenschaften und Austausch-Netzwerken und so weiter. Das sind die wahren Alternativen zur Krise, weil – mit Ausnahme einer kleinen Minderheit – das alte Modell des spekulativen Finanzkapitalismus gestorben ist. Die meisten Menschen werden gewalttätig reagieren, weil sie nicht wissen, wie sie, ohne zu konsumieren, in einer Konsumgesellschaft leben sollen. Aber das ist eine Sackgasse. Alternative öko-ökonomische Kulturen werden zu Alternativen für die breite Masse. Denn sobald die Banken entscheiden, uns kein Geld mehr zu leihen, werden wir es schaffen, ohne Banken zu leben.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Die traditionellen Massenmedien haben ihre Machtstellung als „Gatekeeper“ verloren. Wurden sie aber nicht einfach durch neue Akteure wie Google oder Facebook ersetzt? </strong></p>
<p>Ja, die größten Teile des Internets sind im Besitz von Unternehmen. Aber, erstens: Jeden Tag werden unzählige Teile neu geschaffen – durch Menschen, die einfach im Netz sind, mit technischem Know-how und minimalen Ressourcen. Zweitens: Die niedrigen Eintrittsbarrieren zwingen Google, Facebook und MySpace, die User frei kommunizieren zu lassen. Andernfalls würden sie Konkurrenz durch Hunderte andere soziale Netzwerke bekommen. Sie verkaufen Freiheit, das ist wahr. Aber wir sind frei. Drittens: All das funktioniert, solange die Netzwerke frei sind, solange Unternehmen (z. B. Comcast) nicht ungehinderten Zugriff auf die Telekommunikationsnetzwerke haben. Darum ist der Kampf um die Netzneutralität fundamental. Darum müssen die Bürger Druck auf öffentliche Regulierungsbehörden ausüben, damit diese effektiv Regulation ausüben.</p>
<p><strong>Sie definieren die Macht, selbst als Programmierer oder „Switcher“ in einem Netzwerk zu agieren, als die höchste. Soll daher jeder eine solche Position anstreben? </strong></p>
<p>Absolut. Diese Macht ist alles, um was es im „Bürgerjournalismus“ („citizen journalism“) geht. Es ist auch der Grund, warum Open-Source-Software so entscheidend ist. Und der Grund, warum der Kampf um Freiheit im Internet die Verteidigung der Gemeingüter des Informationszeitalters bedeutet.</p>
<p><strong>Wo sehen Sie die Risiken des Machtmissbrauchs durch die Programmierer? </strong></p>
<p>Jeder Programmierer oder „Switcher“ wird seine eigenen Interessen verfolgen. Daher müssen wir darum kämpfen, Programme und Schalter nach den Wertvorstellungen und Interessen der Gesellschaft zu gestalten.</p>
<p><strong>Wie kann ein „demokratischer“ Flow gesichert werden? </strong></p>
<p>Durch den Druck auf öffentliche Regulierungsinstanzen. Die Menschen müssen verstehen, dass in unserer Gesellschaft Freiheit ein freies Internet bedeutet. Frei von der Kontrolle von Unternehmen oder Staaten. Weder Regierungen noch Firmen sind dafür bereit. Das wird ein Kampf – der elementarste Kampf unserer Zeit.</p>
<p>Das Interview führte Maria Angerer</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Prof. Peter Wippermann“Der nervöse Konsument&#8221;</title>
		<link>http://www.trendtag.de/blog/prof-peter-wippermann-der-nervoese-konsument/</link>
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		<pubDate>Thu, 24 Jun 2010 13:20:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>smosebach</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Autorenbeiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Speaker]]></category>

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		<description><![CDATA[Peter Wippermann, Gründer des Trendbüros, beschreibt in seinem Beitrag den Einfluß des Flow auf das Konsumverhalten von Individuen. Konsum unterliegt nicht nur rationalen Parametern, sondern wird ebenso durch Emotionen geprägt. In Zeiten der Krise, in denen scheinbar nur Unmut und Stress zu verzeichnen sind, entdeckt Peter Wippermann ein neues Selbstbewusstsein der Konsumenten. Die nächsten Jahre werden geprägt sein von einer sich rasch beschleunigenden, dynamischen und flexiblen Umwelt und ihren Herausforderungen für Konsumenten und Unternehmen. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ungewissheit ist nicht nur in Deutschland und Europa, sondern global ein Lebensgefühl geworden. Handeln in Ungewissheit ist nicht mehr auf die Börse beschränkt. Wir alle treffen unsere Entscheidung in objektiver Ungewissheit. Die Gewissheit der Ungewissheit ist Normalität. Die Gesellschaft kann sich leider nicht entspannt auf die mit der Zukunft verbundene Ungewissheit einstellen. Sie muss sich hingegen flexibel für mögliche Überraschungen wappnen. Entscheidungssituationen nötigen dazu, nach Alternativen zu suchen.</p>
<p>Wir handeln unter dieser Bedingung und brauchen eine Einstellung dazu. Oscar Wilde hatte eine solche Einstellung, als er sagte: „Das Wesen der Romantik ist die Ungewissheit.“ So gelassen sehen es nicht alle.<br />
<br class="clear" /></p>
<p><strong>Die Krise bringt das Weltbild ins Wanken</strong></p>
<p>Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat auch zahlreiche Berufsstände in tiefe Zweifel gestürzt: Wirtschaftsweise, Analysten, Journalisten, Politiker und sonstige Symbolanalytiker haben diese Krise nicht kommen sehen. Zaghaft setzt sich die Gewissheit durch, dass der Neoliberalismus und die zügellose Deregulierung von Finanzmärkten und Lebensverhältnissen zu dieser Krise beigetragen haben könnten. Warum fällt das Weltbild des nach dem Zusammenbruch des Kommunismus so siegreichen Kapitalismus nun zusammen wie ein Soufflé beim Öffnen der Ofentür?</p>
<p>Die herkömmliche Wirtschaftstheorie lehrt, dass freie Märkte in ihrem Kern vollkommen und stabil sind. Nach diesem Denkmodell sind staatliche Eingriffe schädlich. Wenn Menschen rational handelten und ihre eigennützigen ökonomischen Ziele verfolgten, dann würden sie im Rahmen einer Wirtschaft mit vollkommenen Märkten sämtliche wechselseitig vorteilhaften Gelegenheiten zur Produktion und zum Tausch von Gütern nutzen. Tun sie aber nicht. Denn diese Theorie von Adam Smith lässt außer Acht, dass Menschen sich genauso von nichtökonomischen Motiven leiten lassen, dass sie auch irrational handeln und falschen Vorstellungen folgen. Kurz gesagt, die Menschen folgen auch ihren „animal spirits“ (Akerlof/Shiller) und sorgen damit für Widersprüchlichkeit, Mehrdeutigkeit und Ungewissheit auf den Märkten. Im Mittelpunkt ihres Handelns stehen dabei Vertrauen, die Sehnsucht nach Fairness, aber manchmal auch die Neigung zu korruptem Verhalten und die Angewohnheit, Realitäten durch die Brille der eigenen subjektiven Lebenswirklichkeit und Lebensgeschichte zu sehen.</p>
<p>Bezieht man die „animal spirits“ in die Ökonomie mit ein, lassen sich die Wirtschaft und ihre Krisen besser erklären. Gleichzeitig führt die Abkehr vom alleinigen Unternehmensziel des Shareholder-Value und vom Menschenbild des rein rationalen Homo oeconomicus dazu, den Menschen als Mitarbeiter und Kunden besser kennenzulernen.</p>
<p><br class="clear" /></p>
<p><strong>Nervosität: zwischen Flucht und Angriff</strong></p>
<p>Menschen reagieren auf emotionale Reize. Emotionen sind zentralnervöse Erregungsmuster und daher grundlegende menschliche Antriebskräfte. Diese Spannung ist es, die den Mensch aktiviert, den Organismus mit Energie versorgt und ihn in einen Zustand der Leistungsbereitschaft versetzt. Allerdings ergibt sich aus den zentralnervösen Erregungsmustern noch keine konkrete Handlungsausrichtung.</p>
<p>Wir leben in einem Zustand, der in der Instinkttheorie Appetenz genannt wird. Ein Such- und Orientierungsverhalten, das der Handlungsbereitschaft vorausgeht: Wir wittern Gefahr oder Beute. Wir stehen vor der Entscheidung “Flucht oder Angriff.“ Der Alltag liefert viele Beispiele.</p>
<ul>
<li>Die Euro-Krise macht Aktionäre nervös. Wegen der Gefahren oder wegen der Chancen?</li>
</ul>
<ul>
<li>Die Mittelschicht in den Großstädten reagiert nervös auf Schulreformen. Ist es Statuspanik oder die Suche nach den besten Chancen für die eigenen Kinder?</li>
</ul>
<p>Auf der gesellschaftlichen Ebene können gerade in Krisensituationen große nervöse Spannungen entstehen, die oft mit einer Art psychischen Müdigkeit der Gesellschaft einhergehen (Entpolitisierung, Rückgang des bürgerlichen Engagements, Reduktion auf Konsum). Angesichts einer solchen Nervosität kann eine Abwärtsspirale in Gang kommen. Stagnierende Märkte führen zu nervösen, verunsicherten Konsumenten.</p>
<p>Nervosität muss nicht nur negativ sein. Sie erhöht unsere Wahrnehmung. Nervosität ist nicht einfach eine Verringerung der Gelassenheit, sondern oft eine produktive Spannungssituation. Manche Menschen geraten schnell unter Druck, andere werden unter Druck zu Multitasking-Talenten. Es gibt auch eine Nervosität der Lebendigkeit und Kreativität. Momente von Panik und Hysterie waren immer schon Motor der Avantgarde.</p>
<p>Der Soziologe Georg Simmel spricht von den unruhigen Klassen. Er beschreibt einen neuen Typus des Konsumenten: „Unruhige, nach Abwechselung drängende Klassen und Individuen finden in der Mode, der Wechsel- und Gegensatzform des Lebens, das Tempo ihrer eigenen psychischen Bewegung wieder.“ Simmel fügt hinzu, dass „die heutigen Moden lange nicht so extravagant und kostspielig sind wie die früherer Jahrhunderte“ und dass die Moden angesichts der Verbilligung vieler Waren eine „viel kürzere Lebensdauer haben“. Simmel beschreibt hier die Grundfigur eines Distinktionsprozesses – die Entwertung von „vorn“, das Nachrücken der „Massen“ und die Fluchtbewegung der „Avantgarde“.</p>
<p>Die Wirtschaft hat es heute mit einem immer rastloseren Publikum zu tun. Immer mehr Menschen weisen ein Multitasking-Konsumverhalten auf. Heute nutzen viele Fernsehen und Internet zur selben Zeit. Nicht nur für Programmmacher dürfte das ruhelose Nutzungsverhalten wenig erfreulich sein. Man findet es auch beim Konsum anderer Dinge.</p>
<p>Die Veränderung ist jedoch nicht einfach nur auf Stress und Unruhe zurückzuführen. Sie hat mit einem neuen selbstbewussten Selbstbild der Konsumenten zu tun, die die neuen Möglichkeiten als Freiheit von Bevormundung empfinden. Die Konsumenten sind ratloser, wie sie gleichzeitig selbstbewusster sind. Sie verweigern den Produktkauf bei nerviger Werbung. Ihre Geduld mit Online-Shops ist stark begrenzt. Andererseits verbringen sie viel Zeit dort, wo sie eine soziale Belohnung erwarten: Social Networks finden weltweit immer mehr Anklang. Und das Internet wird zunehmend vom Handy aus genutzt.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Die Wirtschaft muss sich auf den nervösen Verbraucher (und Mitarbeiter) einstellen. Seine Unruhe hat ebenso mit Stress zu tun wie mit seinem neuen Selbstbewusstsein und Lebensgefühl: dem Flow.Control.</p>
<p>Die nächsten Jahre werden geprägt sein von einer sich rasch beschleunigenden, dynamischen und flexiblen Umwelt und ihren Herausforderungen für Konsumenten und Unternehmen. Der Megatrend heißt „Flow.Control. Selbstbestimmung statt Systemkontrolle“.</p>
<p><strong> </strong></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Douglas Rushkoff&#8220;Du sollst nicht immer online sein.&#8221;</title>
		<link>http://www.trendtag.de/blog/douglas-rushkoffdu-sollst-nicht-immer-online-sein/</link>
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		<pubDate>Tue, 22 Jun 2010 10:17:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mschneider</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Speaker]]></category>

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		<description><![CDATA[Douglas Rushkoff, Medientheoretiker, Autor und Visionär, spricht im Interview mit dem Deutschen Trendtag darüber, wie wichtig es ist, die Programme zu verstehen, die unsere Gesellschaft bestimmen – und wie wir die Kontrolle über sie zurückgewinnen können. 
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das aktuelle Projekt, an dem Sie arbeiten, hat den Titel “Program or be programmed.”(<em>Programmiere, sonst wirst du selbst programmiert.</em></strong><strong>) Worum geht es darin? </strong></p>
<p>Immer wenn ein neues Medium aufkam erlernten Menschen beide Seiten dieses Mediums. Mit der Sprache lernten wir, nicht nur zu hören, sondern auch zu sprechen. Mit der Schrift lernten wir nicht nur zu lesen, sondern auch zu schreiben. Heute gibt es das Programmieren, aber die meisten lernen nur, Programme zu benutzen und nicht selbst zu programmieren. Wenn wir die Kontrolle über diese Programme abgeben, werden wir selbst programmierbar. Mein Buch zeigt, wie wichtig es ist, die Tools, die man benutzt, auch zu verstehen. Zu verstehen, dass jede Internetseite von jemand zu einem ganz bestimmten Zweck entwickelt worden ist. Es ist ein sehr einfaches Buch, denn ich lege ganz klar fest, was man tun sollte und was nicht. Es besteht aus zehn Geboten für ein digitales Zeitalter. Das letzte ist das wichtigste: „Programmiere, sonst wirst du selbst programmiert“.</p>
<p><strong>Welche Regeln stellen Sie noch auf? </strong></p>
<p>Digitale Medien unterliegen sehr starken Tendenzen oder Verzerrungen. Es gibt zum Beispiel eine bestimmte zeitliche Verzerrung. Diese Tools funktionieren nicht nach unserer Zeitvorstellung. Sie unterliegen ebenso räumlichen Verzerrungen – digitale Medien begünstigen weite Entfernungen gegenüber kurzen. Außerdem verlangen digitale Medien immer eindeutige „Entscheidungen“, es  gibt keine Zwischentöne. Sie tendieren dazu, Komplexität zu reduzieren. [...] Das Internet ist eher auf Kontakt als auf Inhalt ausgerichtet. Auf Fakten und nicht auf Geschichten. Und auf eine falsche Art von Offenheit. Es scheint, als wäre alles offen, aber in Wahrheit steht nur für Google alles offen. Schließlich sind die Medien auf diejenigen ausgerichtet, die programmieren können und benachteiligen diejenigen, die es nicht können.</p>
<p>[Anmerkung: Für eine die vollständige Liste mit Rushkoffs zehn Geboten, klicken Sie <a href="http://sxtxstate.com/2010/03/12/douglas-rushkoff-program-or-be-programmed-ten-commands-for-a-digital-age/">hier</a>.]</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Ihr erstes Gebot lautet: “Du sollst nicht ständig online sein.” Haben wir denn überhaupt noch eine Wahl?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Allein, dass Sie meinen, man hätte keine Wahl, ist beängstigend! Aber man muss nicht immer online sein. Für das Nervensystem ist das sogar gar nicht gut. Technologien erlauben uns, besser zu filtern. Ich kann mein Telefon so einstellen, dass es nur klingelt, wenn meine Frau anruft. Aber dann bin ich nicht die ganze Zeit „online“. Dank iPad oder 3G-Modem ständig online zu sein, genießt heute noch einen hohen Status. Ich bin überzeugt, dass sich dies umkehren wird. Erinnern Sie sich an Pager? Wer hatte so etwas? Handwerker! Immer erreichbar sein zu müssen wird als Nachteil betrachtet werden. Als Luxus wird gelten, nicht online sein zu müssen. Natürlich ist ein Computer, der nicht vernetzt ist, nicht mehr brauchbar. Aber das ist etwas völlig anderes. Es ist ein Unterschied, ob Ihr Computer die ganze Zeit online ist oder ob Sie selbst es sind.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Können wir uns diese Verzerrungen nicht auch zunutze machen?</strong></p>
<p>Darauf möchte ich hinaus. Jede dieser Verzerrungen kann Sie unterstützen oder auch nicht. Sie sind dann in der Lage zu entscheiden, ob Sie online oder offline sein möchten. Sie werden auch verstehen, dass das Internet für die Kommunikation über große Distanzen durchaus förderlich ist, aber eben nicht für die persönliche, direkte Kommunikation. Oder denken Sie an die Komplexität! Wenn ich mir bewusst bin, dass das Internet Komplexität verringert, dann nutze ich es auch nur für einfache und schnelle Antworten und nicht für Themen, mit denen ich mich tiefgehender auseinandersetzen möchte. Wenn man sich dieser Effekte bewusst ist, kann man das Medium angemessen einsetzen, sodass es mir als Mensch dient – und nicht nur als Verbraucher.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Sie sagen also nicht, dass man digitale Medien einfach meiden sollte.</strong></p>
<p>Nein, aber ich sehe es kritisch, wenn Menschen es auf unbedachte Art und Weise nutzen. Man sollte verstehen, wie die Schnittstellen funktionieren und welches Verhalten sie von einem verlangen. Diese sind nicht naturgegeben, sondern von Menschen und Unternehmen entwickelt worden, die damit Geld verdienen wollen. Einige der hervorgerufenen Verhaltensweisen dienen diesen Unternehmen und einige entstehen rein zufällig. Niemand hat sie erdacht, es gibt sie einfach. Wenn man die Regeln der Welt, in der man lebt, nicht versteht, dann fällt es schwer, erfolgreich an ihr teilzuhaben.</p>
<p><strong>Viele bewundern die jüngeren Generationen, weil die Nutzung digitaler Medien für sie selbstverständlich ist.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Gerade junge Menschen haben eine weniger durchdachte und differenzierte Einstellung zu ihrer Online-Identität. Sie scheinen die Konsequenzen ihrer Handlungen nicht zu begreifen. Sie können nicht so gut zwischen Realität und Virtualität unterscheiden. Viele sagen: „Das liegt doch nur daran, dass sie offener sind und bereitwilliger etwas von sich hergeben.“ Aber wenn man mit Jugendlichen darüber spricht, was da vor sich geht, sind sie entsetzt und ändern ihr Verhalten.</p>
<p><strong>Können Sie uns ein solch erschreckendes Beispiel geben?</strong></p>
<p>Alles was sie schreiben, bleibt für immer im Netz. Es gibt keine lokale Identität mehr, nur noch eine internationale. Es gibt keine Nachbarschaft, in die man umziehen kann, keine soziale Gruppe, der man sich anschließen kann, um vor dem zu fliehen, was gerade geschehen ist. Die Fähigkeit, als junger Mensch experimentieren zu können, ist nicht mehr vorhanden. Man kann die Unfähigkeit der Jugendlichen, die Kontrolle über ihre Privatsphäre im Internet zu bewahren, als eine Art Vorwarnung vor einer Zukunft betrachten, in der wir alle sowieso alles über jeden anderen wissen. Das macht sie einerseits fortschrittlicher. Aber sie experimentieren eher unbewusst als bewusst damit. Das macht es weniger wirkungsvoll als es sein könnte.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Wer ist für diese Art von Medienkompetenz verantwortlich?</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>Im Moment ich selbst. Nach mir werden es hoffentlich Lehrer und Schulen sein. So wie wir gelernt haben, zu lesen und zu schreiben, müssen wir jetzt lernen, uns in diesem neuen Umfeld zurechtzufinden. Das ist eine Fähigkeit für das Leben.</p>
<p><strong>In Ihrem letzten Buch “Life Inc.” beschäftigen Sie sich mit der Kommerzialisierung unseres Lebens. Welche Parallelen sehen Sie zu Ihrer aktuellen Arbeit?</strong></p>
<p>Beiden haben die gleiche Botschaft, die Programme, mit denen man lebt, zu verstehen. „Life Inc.“ beschäftigt sich mit der Schaffung einer zentralen Währung und dem „Unternehmen“. Beide wurden geschaffen, um den Zugang zu Kapital zu monopolisieren und um normale Menschen davon abzuhalten, für sich und untereinander Geschäfte zu machen. Wenn man das versteht, kann man diese Fähigkeit, wieder erlangen. Im Moment „machen“ die meisten Menschen nichts und arbeiten für Konzerne, die wiederum nichts „machen“. Sie haben keinerlei Kompetenzen. Aber die meisten Menschen können sehr wohl Werte schaffen, sie können selbst Sachen machen und das sogar genießen.</p>
<p><strong>Geht es also auch darum, wie man glücklicher wird?</strong></p>
<p>Darüber habe ich vor längerem in “Get back in the box” geschrieben. Es geht darum, dass es Spaß macht, eine Kultur zu schaffen, in der es auf Kompetenz ankommt. Wenn man in etwas wirklich gut ist und mit der Zeit immer besser werden möchte, und wenn man Teil einer Kultur ist, die das wertschätzt, geht es jedem gut – auch dem Unternehmen. Man braucht dann keine Belohnungen von außen. Man erlangt mehr Kontrolle über das, was man als nächstes macht. Schließlich wird man Teil des kreativen Kerns seines Bereichs. […] Die “Moderne” ist von der Industrialisierung geprägt. Industrialisierung bedeutet, den Arbeiter von seinen Fähigkeiten zu entfremden. Aber das funktioniert nicht mehr. Die Rendite stimmt nicht mehr, weder in Bezug auf die menschliche Zufriedenheit noch in Bezug auf Geld.</p>
<p><strong>Und was wäre der nächste Schritt?</strong><strong> </strong></p>
<p>Eine Kultur, die von Wissen, Lernen und Erkenntnis geprägt ist. Eigentlich nur eine Rückkehr zur eigenen Kompetenz. Es geht darum zu lernen, wie man Dinge selbst macht.</p>
<p>Das Interview führte Maria Angerer</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Prof. Peter Wippermann&#8220;Wer keine Selektion zulässt, ertrinkt&#8221;.</title>
		<link>http://www.trendtag.de/blog/prof-peter-wippermannwer-keine-selektion-zulasst-ertrinkt/</link>
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		<pubDate>Thu, 17 Jun 2010 11:07:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mschneider</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Speaker]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.trendtag.de/?p=1230</guid>
		<description><![CDATA[Peter Wippermann, Gründer des Trendbüros, erklärt im Interview, warum es für Firmen wie für Konsumenten gleichermaßen wichtig ist, mit dem Tsunami der Information umgehen zu können – und wie man zum glücklichen Unternehmen wird. 
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sie beschreiben Flow Control als gelebte „Informationslogistik“. Inwiefern lässt sich der gekonnte Umgang mit Information mit Glück gleichsetzen?</strong></p>
<p>Das Angebot der digitalen Welt ist unglaublich viel größer, als wir in unserem Leben jemals bewältigen könnten. Daraus ergibt sich das richtige Filtern als eine der wichtigsten Aufgaben, sei es privat oder als Unternehmen. Man kann in einem Fluss baden oder ertrinken. So verhält es sich auch mit dem Informationsfluss. Wer keine „Control“ – kein Filtern, keine Selektion – zulässt, ertrinkt. Die Steigerungslogik von früher gilt nicht mehr. Nicht das Addieren von Möglichkeiten führt zum Erfolg, sondern das Subtrahieren. Es gilt zu entscheiden: Was ist für mich relevant? Was ist nur unterhaltsam? Was stört mich?</p>
<p><strong>Es geht jedoch nicht nur um die Informationen, die man empfängt, sondern auch um jene, die man selbst weitergibt. </strong></p>
<p>Ja, denn in der digitalen Welt geben wir – egal ob das nun bewusst im Internet oder unbewusst über Funkchips geschieht – sehr viel über uns preis. Diese Informationen werden zum Handelsgut. Sie sind verkäuflich und skalierbar. Sie können im Wert fallen und steigen.<strong> </strong>Wir werden Teil einer Ökonomie, in der Privatsphäre einen Geldwert und Vorteil darstellt. Das eigene Leben wird zur Ressource. Wenn ich ein Navigationsgerät nutze, tausche ich die Daten über meinen Standort und meine geplanten Wege gegen die perfekte Orientierung. Ich genieße ungeheure Vorteile, wenn ich in einem solchen „Flow“ bin. Ich konzentriere mich auf das, was mir wirklich wichtig ist; alles andere wird für mich organisiert.</p>
<p><strong>Aktuell zeigen sich Menschen aber zunehmend skeptisch gegenüber dem ständigen Datenaustausch.</strong></p>
<p>Hier kommt der Begriff „Control“ ins Spiel. Es gibt natürlich den Wunsch nach Kontrolle – ich möchte nicht, dass alle Leute zu jeder Zeit erfahren, was ich wo und wann mache. Genau hier wird es spannend. Es geht zunehmend darum, abzuwägen: Welche Leistung erwarte ich im Gegenzug für meine privaten Daten? Wo möchte ich einen Schutzraum, um nicht in der digitalen Welt aufzutauchen? Wie viel bin ich bereit, dafür zu bezahlen? Alles führt auf die Frage hinaus: Wie gehe ich mit dem Wert meiner Identität um?</p>
<p><strong>Was bedeutet Flow Control für Unternehmen?</strong></p>
<p>Im Idealfall: auf jeden Kunden reagieren zu können. Die Formel von Prahalad, dass jeder Einzelne zählt, und das weltweit, betrifft mittlerweile fast alle Unternehmen. In den 80er und 90er Jahren fand durch die Einführung von IT als Zentralnervensystem eines Unternehmens eine Revolution statt. Kalkulierbarkeit, also Controlling, wurde möglich. Der „Chief Information Officer“ wurde eingeführt. Heute gibt es nicht nur den internen Datenfluss, sondern wir sind auch mit unseren Endkunden vernetzt. Was das Cluetrain-Manifest prognostizierte, ist Realität. Das Netz wird zum Gespräch. Das resultiert in einer extrem höheren Komplexität für Unternehmen. Für Firmen öffnet sich ein Ozean an Möglichkeiten, einen Kunden zu beobachten. Auch für sie gilt es, Filter einbauen und zu fragen: Wo ist das Gespräch mit dem Kunden interessant? Wo wird es zum Gelaber? Wann gehe ich, wie auf der Party, besser einfach weg?</p>
<p><strong>Es geht also für das Unternehmen nicht darum, alles über den User zu wissen, sondern nur das Relevante.</strong></p>
<p>Genau. Unternehmen müssen den Wert, den ein Konsument ihnen anbietet, beurteilen können. Wer das Web 2.0 als Marketing- oder Verkaufskanal nutzt, muss wissen, wie viel Geld ihm der einzelne Kunde perspektivisch wert ist. Rentiert es sich, seine Daten zu verfolgen, um genau in dem Augenblick, in dem mein Produkt wichtig wird, ihm ein Angebot machen zu können? Der Begriff „Customer Lifetime Value“ trifft es sehr gut. Die gegenseitige Kommunikation zwischen Konsumenten und Unternehmen macht nur Sinn, wenn daraus eine bessere Lebensqualität resultiert. Wenn der Kunde eine Autopanne hat, aber weiß: „Mir hilft mein Autohändler.“ Dafür muss der Händler wissen: Ist das eine Panne, die eine Reparatur, einen Leihwagen oder gleich einen Neuwagen erfordert? In der relevanten Situation Angebote zu machen ist natürlich viel effektiver, als zu versuchen, die Erinnerungsfähigkeit des Konsumenten so zu prägen, dass er sich just in dem Moment genau an mein Unternehmen und kein anderes wendet.</p>
<p><strong>Welche Unternehmen praktizieren diese Prinzipien schon erfolgreich?</strong></p>
<p>Man beobachtet<strong> </strong>das am besten an Unternehmen, die in der Dotcom-Phase groß geworden sind und die Blase überlebt haben. Ob das Amazon, Google oder aber auch ein klassisches Industrieunternehmen wie Apple ist. Sie alle gehen in die gleiche Richtung: nämlich vom Kunden aus zu denken und den Nutzen für den einzelnen Verbraucher in den Vordergrund zu stellen. Dabei entwickeln Apple, Google und Amazon ganz unterschiedliche Wege, wie sie beispielsweise mit ihrem Personal-Media-Angebot Geld verdienen möchten. Apple will Werbung verkaufen. Amazon will auf keinen Fall Werbung verkaufen, sondern den Inhalt in den Vordergrund stellen. Das sind verschiedene „Control“-Ansätze. Die Filtermechanismen und damit die Kriterien erfolgreichen Wirtschaftens variieren und sprechen natürlich auch unterschiedliche Leute an. Apples Restriktionen bezüglich Pornografie haben zu sehr harten Reaktionen geführt. Ist das ein „Control“-Punkt, der aufgegeben werden muss? Oder entscheidet man sich bewusst für die saubere Disney-Variante des Produkts?</p>
<p><strong>Welche Implikationen hat das Prinzip des Flow Control für die Unternehmensorganisation?</strong><strong></strong></p>
<p>Flow Control heißt im Wesentlichen, mit Überraschungen umgehen zu können. Zu wissen, wie ich in einer dynamischen Gesprächssituation mit mehreren Millionen Leuten richtig reagiere. Wie das <a href="http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1433815/Greenpeace-gegen-Nestle-Wenn-ein-Netzwerk-zur-Waffe-wird.html"><span style="text-decoration: underline;">jüngst</span> </a>bei Nestlé nicht klappte. Die Diskussion [über deren artenschutzgefährdenden Lieferanten] ist im Netz extrem schnell und global hochgekommen. Zum einen können Unternehmen die Bedeutung solcher Ereignisse mangels geeigneter Seismografen nicht richtig einschätzen. Andererseits ist es nicht möglich, die geforderte Reaktionszeit einzuhalten, weil die Matrixorganisation der meisten Unternehmen das nicht erlaubt. Vielleicht kriegt die IT-Abteilung einen plötzlichen Anstieg im Datenverkehr mit, aber bis das Marketing oder das Headquarter informiert sind, vergehen mindestens Tage. Das ist zu langsam. Aber hier richtig und rechtzeitig reagieren zu können heißt, in Echtzeit informiert zu sein und ebenso schnell zu handeln. Ein Unternehmen, das diese Prinzipien beherrscht, ist ein glückliches Unternehmen.</p>
<p><strong>Sie führen die „Digital Residents“ als Vorreiter von Flow Control an. Werden sich die Unternehmenspraktiken mit den jüngeren Generationen ändern?</strong></p>
<p>Die jüngeren Generationen bedeuten für Unternehmen heute vor allem, dass sie sich auf völlig anders geartete Mitarbeiter einstellen müssen. Digital Residents haben einerseits hochspezielle Interessen und profundes Wissen. Andererseits sind sie nicht daran interessiert, Zusammenhänge zu beobachten und zu interpretieren. Für sie sind vor allem die Feedbackschleifen und Informationskaskaden ihrer eigenen, oft abgeschlossenen Communities wichtig. Thomas Huber hat dieses Thema auch in unserem <a href="http://www.trendtag.de/blog/thomas-huber-zwischen-cyberspace-und-echokammer/"><span style="text-decoration: underline;">Blog</span></a> angerissen. Das Hauptaugenmerk im Management muss daher auf der produktiven Vernetzung der Einzelnen liegen. Damit Großes, Neues und Prozessuales entstehen kann.</p>
<p><span style="color: #800080;">Fazit:</span><span style="color: #800080;"><br />
Wer keine Selektion zulässt, ertrinkt im Datenstrom.<br />
</span><span style="color: #800080;">Privatsphäre wird zum Handelsgut. Das eigene Leben wird zur Ressource.<br />
Es gilt, den Wert der eigenen Identität zu bemessen.</span></p>
<p><span style="color: #800080;"><span style="color: #000000;">Das Interview führte Maria Angerer</span><br />
</span></p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Prof. Norbert Bolz: &#8220;Es geht um Spaß an der Komplexität&#8221;</title>
		<link>http://www.trendtag.de/blog/prof-norbert-bolz-es-geht-um-spass-an-der-komplexitat/</link>
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		<pubDate>Fri, 11 Jun 2010 15:48:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>mschneider</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Speaker]]></category>

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		<description><![CDATA[Norbert Bolz, Medientheoretiker und Professor an der TU Berlin, erklärt im Interview mit dem Deutschen Trendtag, warum wir gar nicht anders können, als uns auf ein Leben im ständigen Fluß einzustellen - und wie man seine Chancen erhöht, zum glücklichen Workaholic zu werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Thema des 15. Deutschen Trendtags lautet „Flow Control“. Was sind die Eckpunkte dieses Konzepts? </strong></p>
<p>Das Grundproblem ist, dass in der modernen Welt Stabilität nicht mehr durch feste Strukturen erreicht werden kann, sondern nur in dynamischen Formen. Der „Flow“, der Fluss, wird zum Normalzustand. Es gibt nur noch dynamische Stabilität. Das wird einen neuen Lebensstil erforderlich machen, um erfolgreich zu sein. Wir müssen lernen, mit einem nie abreißenden Strom von Informationen und Optionen umzugehen. Das gilt bei genauerer Betrachtung genauso für Geldflüsse wie für die Karrieren der einzelnen Menschen oder für die Zusammensetzung unserer Lebensgeschichten. All das entfernt sich immer weiter von selbstverständlichen, festen Strukturen.</p>
<p><strong>Das Konzept des „Flows“ wurde bereits in den 1980ern durch Mihaly Csikszentmihalyi bekannt. Welche Rolle spielt es in Ihren aktuellen Überlegungen?</strong></p>
<p>Das große Verdienst dieser psychologischen Arbeit ist, zu zeigen, dass „im Fluss zu sein“ keine Bedrohung ist, sondern der eigentliche Glückszustand. Als Beispiel könnte man den Workaholic heranziehen, den man sich nicht als Süchtigen, sondern als glücklichen Menschen vorstellen kann. Als jemanden, für den es überhaupt keinen Unterschied mehr gibt zwischen Arbeit, Freizeit, Muße und Selbstverwirklichung. Er schwimmt praktisch in einer ununterbrochenen Welle. Für ihn bedeutet das keine Belastung, sondern Lust. Ziel ist, Selbstverwirklichung nicht auf den Feierabend zu verschieben, sondern dass praktisch die ganze Existenz in einer solchen Fließbewegung erlebt wird.</p>
<p><strong>Was verleiht einem Menschen die Fähigkeit, Glück statt Überforderung zu erleben?</strong></p>
<p>Im Wesentlichen geht es um das Vermögen, mit Unvorhersehbarkeit umgehen zu können. Man kann prinzipiell nicht voraussagen, wie sich die Dinge oder das eigene berufliche Schicksal entwickeln. Aber eines ist auf alle Fälle klar: Egal, was kommt, man muss reaktionsfähig sein. Sicherheit entsteht nicht mehr von außen, sie muss von innen kommen – als eigene Reaktionsfähigkeit oder Geis­tesgegenwart. Man könnte auch sagen, es geht darum, Spaß an der Komplexität zu haben. Es gibt Leute, die Angst vor der Komplexität haben. Sie wollen alles vereinfachen, sie leben nach der Devise „Simplify your Life“. Und dann gibt es Menschen, die Komplexität als Chance sehen, neugierig werden, ein Rätsel lösen wollen. Das ist der große Mentalitätsunterschied.</p>
<p><strong>Wie wird das in der Praxis umgesetzt? </strong></p>
<p>In der Tat setzt das vieles voraus. Natürlich eine gewisse Ausbildung und Bildung. Dann ist ein großes Maß an Sozialität, also eine Lust an der Geselligkeit, notwendig. Man muss auch eine Art „Gadgetlover“ sein, also Spaß an den Kommunikationstechnologien selbst haben. „To work the network“, am Netzwerk selbst mitarbeiten – wenn man das gern macht und auch kann, hat man alle Chancen, zu den glücklichen Workaholics zu gehören. Und es bedeutet, die eigenen Ziele zu verfolgen, nicht das zu machen, was andere vorschreiben. Wer sich auf das konzentriert, was er mit Leidenschaft macht, empfindet auch keine Überlastung. Letztlich heißt das, zu einer Ich-AG zu werden, um ein früheres Trendtagsthema zu zitieren.</p>
<p><em><strong><span style="color: #ff00ff;"><br />
</span></strong></em></p>
<p><strong>Der gekonnte Umgang mit Unsicherheiten ist also zentral. Nun haben Sie einmal den Deutschen genau darin eine mangelnde Begabung attestiert. Warum ist das so? </strong></p>
<p>In Deutschland ist das Sicherheitsdenken historisch sehr stark verankert. Wir haben eine ungebrochene Tradition von Bismarcks Sozialgesetzgebung bis zu Hartz IV. Deutschland ist das Land ohne Revolution. Das bedeutet, dass die Deutschen für ihr „politisches Wohlverhalten“ erwarten, dass der Staat als sorgender Vater für sie da ist – egal, was im Leben geschieht. Dieser paternalistische Geist ist sicher der größte Feind der Zukunftsfähigkeit, den es überhaupt gibt.</p>
<p><strong>Welche Kulturen können das besser?</strong></p>
<p>Als Kontrastbeispiel liegt natürlich die nordamerikanische auf der Hand. Auch da gibt es eine lange Tradition. Die Eckpfeiler sind zum einen der Pioniergeist und zum anderen die Fehlerkultur. Die Amerikaner leben eine Vorstellung von Selbstverwirklichung, die individualistisch und mit der Eroberung des Neuen verknüpft ist. Dazu kommt ein unzerstörbarer Optimismus in die technische Verbesserbarkeit der Welt. Auf der anderen Seite stehen die Fehlerfreundlichkeit der amerikanischen Kultur und der Glaube, dass Irrtümer zur Evolution dazu gehören. Man verwendet Risiko als positiv besetzten Begriff – als anderen Namen für Chance oder produktive Freiheit. Dieses „Unternehmermoment“ – wie es Schumpeter bezeichnet hat – fehlt den Deutschen am meisten.</p>
<p><strong>In Ihrem <a href="http://www.trendtag.de/blog/norbert-bolz-flow-control/">Artikel</a> beschreiben Sie, dass heute nur mehr „vorübergehende Gewissheiten“ gelten. Deshalb ergebe es auch keinen Sinn mehr, sich in Vertiefung und Genauigkeit zu üben. Effizienz und Geschwindigkeit würden viel wichtiger. Wie passt dieses Prinzip des „gut genug“ mit einem Anspruch an besondere Qualität, an Exzellenz, zusammen? </strong></p>
<p>Das ist eben genau die Frage: Was versteht man unter Exzellenz? Ich würde dem Begriff der Exzellenz nicht Perfektion oder Optimierung zuordnen. „Flow“ heißt, dass Geschwindigkeit oft wichtiger ist als Qualität. In einer modernen Gesellschaft ist die Orientierung an dem, was gut genug ist, rationaler als die Orientierung am Perfekten. Und zwar, weil nur dann die erforderlichen Geschwindigkeiten erreicht werden können und damit die Rechtzeitigkeit von Innovationen, Ideen und Handlungen. Insofern bedeutet das für mich in keinster Weise einen Widerspruch, sondern ganz im Gegenteil: Exzellenz besteht gerade darin, zu sehen, was nötig ist.</p>
<p><strong>Exzellenz wird zum Notwendigen zum richtigen Zeitpunkt? </strong></p>
<p>Es geht heute in erster Linie darum, frühzeitig einen Output zu produzieren. Heute hat alles einen Zeitindex. Jemand, der den Zeitindex einer Sache erfassen will – Wann muss ich was erbringen? Wie lang kann ich noch warten? –, der muss Geistesgegenwart besitzen. Geistesgegenwärtig können nur Leute sein, die selbst im Fluss sind. Früher hat man mit einer ähnlichen Metapher vom „Surfen“ gesprochen. Zum Surfen auf der Welle genügt es nicht, ein Buch „Wie surfe ich richtig?“ zu lesen. Man braucht auch Geschicklichkeit und Körperbeherrschung.</p>
<p><strong>Dann geht es heute eher ums Surfen und nicht ums Tauchen?</strong></p>
<p>Ja, genau – aber wenn es nicht mehr weitergeht, muss man auch mal tauchen, aber eben zum richtigen Zeitpunkt. Man muss wissen, wann man mit der vorhandenen Information nicht mehr weiterkommt und wann es sich lohnt, weitere Informationen zu suchen.</p>
<p>Früher hat man analysiert und gefiltert und dann das fertige Ergebnis der Welt präsentiert. Heute präsentiert man der Welt alles Mögliche und nutzt die Filtertechniken des Internets, um danach an der Qualität zu arbeiten. Das ist der große Unterschied. Um etwas auf den Markt zu bringen, um eine Idee auszuprobieren, genügt, dass sie gut genug ist. Ich muss sie nicht perfektionieren, bevor ich sie der Öffentlichkeit vorstelle. Es gibt so viele Filtertechniken dort draußen, dass wir das Verhältnis von Filterung und Veröffentlichung auf den Kopf stellen können. Also: erst veröffentlichen, dann filtern.</p>
<p><strong>Gleichzeitig sehnen sich aber sehr viele Menschen danach, sich wieder in etwas vertiefen zu können, anstatt tausend Dinge oberflächlich tun zu müssen. </strong></p>
<p>Wer das Surfen – „Flow Control“ – nicht schafft, ist überfordert und braucht einen Ausgleich, eine Wiedergutmachung für die Seele. Und da gibt es eben Rückzugsgebiete. Man weiß, was zu tun ist. Es funktioniert, man sieht den Erfolg vor sich. Das ist alles wunderbar, aber es ist halt nicht zeitgemäß. Es passt einfach nicht mehr in unsere Welt. Ich persönlich gehöre ja auch zu den Leuten, die sich darauf freuen, jeden Freitag den Rasen zu mähen. Das ist auch etwas unglaublich Handfestes, trotzdem ist es rein kompensatorisch. Wenn ich nur machen könnte, was ich leidenschaftlich gern mache, dann bin ich ziemlich sicher, dass es solcher Fluchtbewegungen ins Handwerkliche eigentlich nicht mehr bedürfte.</p>
<p><strong>Wie lässt sich denn angesichts der zunehmenden Vernetztheit der entscheidende Faktor der souveränen Kontrolle – sei es als Surfer oder als Unternehmer – über das eigene Leben aufrechterhalten?</strong></p>
<p>Souveräne Kontrolle kann in Zukunft nur noch heißen, dass man bereit ist, sich auch kontrollieren zu lassen. Das wird besonders deutlich am Begriff der Autonomie. Autonomie heißt ja gerade nicht Autarkie. Es geht nicht um die Maximierung der Unabhängigkeit von der Welt, sondern im Gegenteil: Je mehr ich mich von Leistungen anderer abhängig mache, umso autonomer werde ich. Denn nur dann bin ich in der Lage, meine ganze Kraft dem zu widmen, worin ich wirklich gut bin. Wenn ich mich um jeden Mist kümmern muss, nur um autark zu sein, hab ich gar keine Energie mehr, das zu machen, was ich wirklich toll könnte. Souveränität zeigt sich darin, dass man die Art, in der man abhängig ist, selbst bestimmt.</p>
<p><span style="color: #800080;"><em><strong>Fazit:</strong></em><em><strong><br />
Souveränität zeigt sich darin, die Art der Abhängigkeit selbst zu bestimmen.<br />
Exzellenz  besteht darin, das Notwendige zu erkennen. </strong><strong><br />
Sicherheit  muss von innen kommen &#8211; als eigene Reaktionsfähigkeit.</strong></em></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Das Interview führte Maria Angerer</span></p>
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		<title>Eckart von Hirschhausen:  Sind elektronische Bücher “ihh”?</title>
		<link>http://www.trendtag.de/blog/eckart-von-hirschhausen-sind-elektronische-buecher-ihh/</link>
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		<pubDate>Fri, 28 May 2010 18:26:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>dmanduzio</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autorenbeiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Autoren]]></category>
		<category><![CDATA[Speaker]]></category>

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		<description><![CDATA[Klar ist das unhöflich. Aber wenn ich das erste Mal bei jemandem zu Hause bin, schau ich nicht bei der ersten unbeobachteten Gelegenheit, von welchem Hersteller das Porzellan ist. Ich inspiziere das Bücherregal. Dann weiß ich sehr viel verlässlicher, ob jemand alle Tassen im Schrank hat. Aussagekräftig sind weniger die zur Beobachtung drapierten Coffee-Table-Books, bei denen wichtiger ist, dass sie in der Größe zum Tisch passen. Geistige Größe verraten die Teile der Regale, wo schon länger nicht mehr Staub gewischt wurde, die aber vergangene Epochen der Auseinandersetzung dokumentieren.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Man soll ein Buch nicht nach dem Umschlag beurteilen, aber nach dem Lesegerät?</strong></p>
<p>Klar ist das unhöflich. Aber wenn ich das erste Mal bei jemandem zu Hause bin, schau ich nicht bei der ersten unbeobachteten Gelegenheit, von welchem Hersteller das Porzellan ist. Ich inspiziere das Bücherregal. Dann weiß ich sehr viel verlässlicher, ob jemand alle Tassen im Schrank hat. Aussagekräftig sind weniger die zur Beobachtung drapierten Coffee-Table-Books, bei denen wichtiger ist, dass sie in der Größe zum Tisch passen. Geistige Größe verraten die Teile der Regale, wo schon länger nicht mehr Staub gewischt wurde, die aber vergangene Epochen der Auseinandersetzung dokumentieren. Zu wissen, was jemand gelesen oder zumindest mal gekauft hat, gibt automatisch Anlass für die Konversation oder, im schlechtesten Fall, zur Flucht. Jemanden wie ein offenes Buch lesen zu können erfordert offene Bücher!</p>
<p>Ich beneide Menschen, die dicke Bücher wälzen. Jobbedingt lese ich seit der Ausbildung viele Fachartikel, Sachbücher, viel quer und noch mehr gar nicht. Umso mehr freue ich mich fremd (das Gegenteil vom Fremdschämen), wenn mir in der U-Bahn jemand gegenübersitzt, der gerade die letzten 15 Seiten von gefühlten 500 vor sich hat. Ich fiebere förmlich mit, ob Buchende oder Endbahnhof zuerst erreicht werden, ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Das Schönste für einen Autor ist übrigens, jemanden zu beobachten, der das eigene Buch liest, und über etwas, das im stillen Kämmerlein entstand, plötzlich laut lacht. Autor und Leser verbindet mehr als WLAN. Ein Leser ist in einer anderen Welt als ein Browser. Er sucht Tiefe, nicht Benutzeroberfläche. Ich will etwas begreifen, nicht durchscrollen. Und im Urlaub gibt es kaum etwas Befriedigenderes, als ein gelesenes Buch von dem einen auf den anderen Stapel zu legen. Viele Journalistenkollegen prophezeien, man würde in naher Zukunft nur noch „pdfs“ auf einer Festplatte türmen, statt Gedrucktes auf dem Tisch. Klar kann man dadurch noch mehr Bücher in den Urlaub mitnehmen, aber ehrlich gesagt, löst das nicht das Problem, es macht es schlimmer. Ich hatte noch nie zu wenig zu lesen dabei. Die Regelung mit dem Übergepäck ist für mich auch ein psychologisches Regulativ. Und am Strand will ich keinen Sand in einem Lesegerät, zwischen den Seiten stört er mich nicht. Ich will ein Buch über mein Gesicht legen, wenn ich döse, keinen Prozessor. Vielleicht bin ich eine aussterbende Spezies. Und garantiert wird schon an einer „App“ gearbeitet, die das Haptische virtuell integriert: elektronische Eselsohren, Patina und Kaffeeflecken. Und wenn Gäste kommen, kann man die Buchrücken auf Tapete ausdrucken und an die Wand hängen.</p>
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